Redaktion Terrassenüberdachung Kiel · Inhaltlich geprüft · Zuletzt aktualisiert: 22.10.2026
Kiel liegt in Schneelastzone 2 mit 0,85 kN/m² und in Windzone 2. Wegen des Norddeutschen Tieflands kommt ein außergewöhnlicher Schneefall mit dem 2,3-fachen Wert dazu. Im Kreis Rendsburg-Eckernförde gilt dagegen Windzone 3. Diese Werte bestimmen, wie eng die Sparren stehen und wie kräftig die Pfosten verankert sein müssen.
Dach nach Kieler Lastzonen auslegen lassen
Wir messen auf und planen Profile, Sparrenabstand und Verankerung für Ihre Zone.
Kaum ein Kieler Terrassendach stürzt unter Schnee ein, weil die Mengen meist moderat bleiben. Der Grund, die Zahlen trotzdem ernst zu nehmen, liegt woanders: Ein Dach, das für zu wenig Last ausgelegt ist, verformt sich langsam, die Dichtungen reißen, und Scheiben können springen. Dieser Ratgeber erklärt die Kieler Werte, ihre Quellen und das, was sie im Alltag bewirken.
Schneelast und Windlast in Kiel: die Zonen im Überblick
| Gebiet | Schneelastzone | Windzone |
|---|---|---|
| Kiel (Stadtgebiet) | 2 (0,85 kN/m²) | 2 |
| Kreis Plön (z. B. Heikendorf, Laboe, Preetz) | 2 | 2 |
| Neumünster | 2 | 2 |
| Kreis Rendsburg-Eckernförde (z. B. Altenholz, Strande, Eckernförde) | 2 | 3 |
Quelle: Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen Schleswig-Holstein (VV TB SH), Anlage A 1.2.1/4 (Schneelastzonen) und A 1.2.1/5 (Windzonen), Ausgabe April 2021; gleichlautend in der DIBt-Zuordnung nach Verwaltungsgrenzen. Vor dem Bau gleichen wir die Zuordnung mit der aktuellen Fassung ab.
Schneelast: was 0,85 kN/m² auf dem Dach bedeuten
Die Zahl beschreibt das Gewicht von Schnee auf einem Quadratmeter Boden, wie es nach DIN EN 1991-1-3 für die Zone 2 bis 285 m Geländehöhe angesetzt wird. Auf ein Dach von 12 m² entfällt damit rechnerisch eine Last von gut zehn Kilonewton. Das klingt nach wenig und ist für Stegplatten oder Glas auf stabilen Sparren auch gut beherrschbar. Wichtig ist, dass die Auflagerabstände zur Zone passen und die Pfosten die Last sauber ins Fundament führen.
Nasser Schnee, wie er an der Förde häufig fällt, ist schwerer als trockener Pulverschnee und bleibt auf flachen Dächern länger liegen. Neigung und glatte Oberflächen helfen, ihn abrutschen zu lassen. Mehr zu Neigung und Wasserweg steht im Ratgeber zur Entwässerung.
Norddeutsches Tiefland: der 2,3-fache Lastfall
Schleswig-Holstein gehört komplett zum Norddeutschen Tiefland. Für Gebäude in den Schneelastzonen 1 und 2 schreibt die Norm hier einen weiteren Nachweis vor: die außergewöhnliche Bemessungssituation „Schnee“ mit dem 2,3-fachen charakteristischen Wert (DIN EN 1991-1-3/NA). Der Hintergrund sind seltene, aber heftige Schneefälle, die im Flachland auf einmal große Mengen bringen.
Wichtig zu wissen: Der Lastfall betrifft Sparrenabstand, Profilquerschnitt und bei Glasdächern die Scheibendicke. Er gehört zur Auslegung und ist kein Zusatzposten, den man abwählen kann. Fragen Sie im Angebot gezielt nach, ob er berücksichtigt wurde.
Tragfähige Alu-Profile mit passendem Sparrenabstand sind in Zone 2 Standard.
Windlast: Zone 2 am Papier, Förde in der Praxis
Kiel ist trotz der Lage am Wasser der Windzone 2 zugeordnet, einer Binnenland-Kategorie (Quelle: VV TB SH, Anlage A 1.2.1/5). Die Zone sagt, mit welcher Basisgeschwindigkeit der Wind in die Bemessung eingeht; die Lage des Grundstücks entscheidet zusätzlich über die Böigkeit. Eine Terrasse in Schilksee, Holtenau oder Düsternbrook mit Fördeblick sitzt offener als eine zwischen Zeilenbauten in Mettenhof.
Wind wirkt zweifach: Er drückt auf die Dachfläche und kann sie bei Unterdruck anheben. Entscheidend ist deshalb die Verankerung von Wandanschluss und Pfostenfüßen, die auf Sog ausgelegt sein muss. Ein Dach, das nur durch sein Eigengewicht gehalten wird, ist an der Küste keine Option.
Umland: warum Windzone 3 nicht der Kieler Wert ist
Alle Gemeinden des Kreises Rendsburg-Eckernförde liegen in Windzone 3: Altenholz, Kronshagen, Molfsee, Flintbek, Gettorf, Dänischenhagen, Strande, Bordesholm, Eckernförde und Rendsburg. Der Kreis Plön mit Heikendorf, Laboe, Schönkirchen und Preetz sowie Neumünster haben wie Kiel Windzone 2. Wer einen Nachbarn jenseits der Stadtgrenze berät, darf den Kieler Wert nicht pauschal übertragen.
Exponierte Küstenlagen: Strande, Laboe, Schilksee
Böen am Wasser verlangen Reserve
Unabhängig von der Zone verlangen offene Küstenlagen eine kräftige Verankerung. Das Sturmhochwasser vom Oktober 2023 war an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins das schwerste seit 1872, und im September 2021 zog ein Tornado über die Kieler Innenförde (Quelle: Wikipedia, Artikel Kiel und Schönberg).
Wir legen deshalb in Strand- und Fördenähe Pfostenfüße und Wandanker großzügiger aus und empfehlen, Seitenwände nur mit geprüfter Statik zu ergänzen. Hinweise zum Bauantrag stehen im Ratgeber zum Baurecht in Schleswig-Holstein.
Was die Lasten für die Konstruktion bedeuten
- Sparrenabstand: enger bei Glas und in Zone 2 mit erhöhtem Lastfall.
- Profilquerschnitt: höhere Profile für größere Spannweiten und freistehende Dächer.
- Glasaufbau: Verbundsicherheitsglas, laut DIN 18008-2 für Überkopfverglasung vorgeschrieben, 8–12 mm je nach Abstand und Zone.
- Fundamente: Punkt- oder Schraubfundamente, die Druck und Sog aufnehmen.
- Wandanschluss: Anker, die zum Mauerwerk passen und keine Dämmung als Halt nutzen.
Wie Fundamente und Anschlüsse gebaut werden, beschreibt der Ratgeber zur Montage.
Lastnachweis im Angebot: darauf sollten Sie achten
- Steht die Schneelastzone im Angebot oder in der Statik?
- Ist der außergewöhnliche Lastfall für das Norddeutsche Tiefland erwähnt?
- Nennt das Papier die Windzone passend zum Standort, nicht eine Pauschalzone?
- Sind Glasdicke und Sparrenabstand konkret angegeben?
- Wird die Verankerung im Boden und an der Wand beschrieben?
Importierte Bausätze nennen oft nur eine Windklasse ohne Bezug zu deutschen Zonen. Wie man damit umgeht, behandelt die Seite zu Terrassendächern aus Holland und Polen.
Häufige Fragen zu Schneelast und Windlast
In welcher Schneelastzone liegt Kiel?
Kiel gehört nach der Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen Schleswig-Holstein zur Schneelastzone 2 mit einer charakteristischen Last von 0,85 kN/m² bis 285 m Geländehöhe. Dasselbe gilt für die Kreise Plön und Rendsburg-Eckernförde sowie für Neumünster. Für das Dach heißt das: Bemessung nach Zone 2 plus erhöhter Nachweis des Tieflands.
Was bedeutet der außergewöhnliche Lastfall in Schleswig-Holstein?
Im Norddeutschen Tiefland kann ungewöhnlich viel Schnee in kurzer Zeit fallen. Deshalb verlangt die Norm für Gebäude in den Zonen 1 und 2 zusätzlich den Nachweis mit dem 2,3-fachen charakteristischen Wert. Bei einer Terrassenüberdachung wirkt sich das auf Sparrenabstand, Profilquerschnitt und Glasaufbau aus.
Gilt in Kiel dieselbe Windzone wie in Eckernförde oder Altenholz?
Nein. Kiel ist amtlich der Windzone 2 zugeordnet, ebenso der Kreis Plön. Der gesamte Kreis Rendsburg-Eckernförde, zu dem Altenholz, Gettorf, Strande oder Eckernförde gehören, liegt in Windzone 3. Ein Dach darf deshalb nicht pauschal mit dem Kieler Wert für Umlandorte bemessen werden.
Muss ich die Lastnachweise selbst vorlegen?
Nicht zwingend. Seriöse Systemanbieter liefern eine Typenstatik für ihre Profile; entscheidend ist, dass sie zur Zone und zur Montagesituation passt. Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, für welche Schneelastzone und Windzone das Dach ausgelegt ist. Wir tragen diese Angaben ins Angebot ein.
Reicht bei Stegplatten und Glas dieselbe Unterkonstruktion?
Meistens nicht. Glas wiegt mehr als Stegplatten und verlangt steifere Sparren und eine engere Auflagerung. Für Überkopfverglasung schreibt DIN 18008-2 Verbundsicherheitsglas vor, üblich sind 8 bis 12 mm je nach Sparrenabstand und Schneelastzone. Wer später von Stegplatten auf Glas wechseln will, plant die Statik gleich mit.
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